AUSFLUG IN DEN SCHÄRENGARTEN

Read in English / Auf Englisch lesen

An Tag 2 heißt es früh aufstehen, denn wir wollen in den Schärengarten vor der Küste Göteborgs fahren. Das Gute an dieser Art Ausflug ist, dass man mit der Straßenbahn direkt vom Stadtzentrum bis nach Saltholmen fahren kann, von wo aus die Fähren in die zahlreichen kleinen Inseln abfahren.

Unser erster Anlaufpunkt an diesem etwas grauen Morgen ist Brännö im Süden des Archipels. Auf dem Weg dorthin bin ich total begeistert von den teils schroffen Inseln, die alle auf ihre Weise besonders sind, wie uns die Einheimischen versichern. Und die müssen es ja schließlich wissen.

Am Ziel fallen einem sofort die zahlreichen Transportmopeds mit Ladefläche in der Front auf. Manche kutschieren hier so auch ihre Kinder. Nicht ganz legal, aber scheint allen Spaß zu machen.

Ein frühes Mittagessen nehmen wir im Brännö Varv ein, einer alten Schiffswerft die nun zu Bed & Breakfast mit dazugehörigem Außenrestaurant umgebaut wurde. Charmant ist gar kein Ausdruck. Und schmecken tut es auch. Leider verstehe ich den Seemannsgarn nicht, den mir ein alter schwedischer Seebär zuraunt. Wo ist Carl zum übersetzen?

Vermutlich steht er schon mit einem Bein im Hafenbecken, denn es kommt bereits unsere nächste Fähre. Dieses Mal bringt sie uns nach Vrångö, der südlichsten aller Inseln hier. Dort wartet schon Håkan auf uns. Er hat hier die Unterkunft Kajkanten Vrångö gegen manche Widerstände etabliert und man sieht seinem Körper die lebenslange körperliche Arbeit an. Und die viele Zeit an der frischen Luft. Trotz Platzregens erzählt er uns schon einige erste Anekdoten zu der Insel und ihren Bewohnern, während wir zum Hotel watscheln.

Nachdem wir uns in unserer hübschen Zimmern kurz trocknen konnten, geht es wieder den ganzen Weg zurück, zum Café am Hafen. Bei Gebäck werden alte Seeräuberpistolen erzählt und anschließend bei einem Rundgang über die karge, aber dennoch schöne Insel zum Leben erweckt. Damit wir uns wieder aufwärmen können, hat unser Gastgeber netterweise schon die im Hafenbecken treibende Sauna angeschmissen und ein kleiner Teil unserer Gruppe kommt dieser Einladung mit Freude nach. Beim dritten Mal ist der Sprung in die kalte See auch schon gar nicht mehr so schlimm.

Nach unterhaltsamen Abendessen im Hafenlokal, bei dem wir von Schweden angesungen und deutschem Fernsehteam gefilmt werden, geht es schließlich hinauf auf den Lotsenhügel. Von hier aus wurden früher Schiffe vor verheerenden Unfällen und noch früher die Bewohner der Insel und des Festlands vor feindlichen Angriffen bewahrt. An der einsamen Hütte auf dem Hügel genießen wir, dem schneidigen Wind trotzend, einen auf seine Weise spektakulären Sonnenuntergang.

Der nächste Morgen startet fast schon luxuriös. Peter und Lena Busse haben uns auf ihre Yacht eingeladen. Ein wahres Prachtexemplar. Die beiden haben ihre Jobs gekündigt und wollen nun ab Januar 2018 in bis zu drei Kabinen Gäste auf dem Schiff beherbergen. Das Frühstück schmeckt auf der fast 20 Meter langen Yacht besonders gut, was auch an der Herzlichkeit unserer Gastgeber liegen kann. Sie werden wir später noch einmal wiedertreffen.

Doch zunächst begeben wir uns auf eigene Faust auf hohe See. In einer kleinen Armada aus roten Kajaks gleiten wir durch den Hafen und hinaus zwischen die felsigen Schären. Nach ein paar Minuten kehrt die Gruppe um, nur Kajsa und ich paddeln noch ein Stück weiter, schießen actionreiche Fotos und genießen die Morgensonne auf dem Meer.

Wenig später sitzen wir dann wieder bei Lena und Peter auf der Yacht und kriegen noch mehr Seebrise um die Nase geschleudert. Die “Sealife” macht echt gut Knoten und ich genieße diesen Moment einfach. Sommer, Meer, Schweden und auf einer Yacht zur nächsten Schäreninsel kutschiert werden. Könnte deutlich schlechter sein.

Eine kurze Verabschiedung, dann brausen die beiden auch schon wieder in das Glitzern des Ozeans hinein. Unser nächstes Date haben wir auf Styrsö mit Ola. Er ist Besitzer der Pensionat Styrsö Skäret, einem sehr traditionell und doch gar nicht altbacken geführten Hotel mit traumhafter Lage zum Wasser. Eine kurze Führung gewährt uns Einblicke in die traditionsreiche Historie des Hauses. Das Mittagessen dagegen in dessen kulinarisches Können (es gibt übrigens Fisch). Noch ein Spaziergang in der Sonne und dann ist es auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt nach Göteborg, wo ich mich von meinen neuen Freunden trenne und mich auf den Weg ins Landesinnere begebe.