NORWEGEN ROADTRIP TAG 9: DÄMLICHE NAZIS, DOPPELTE REGENBÖGEN UND EINE HARTE ENTSCHEIDUNG

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Nach gut einer Woche Aufenthalt in Mattis Familienhütte, sollte für uns der eigentliche Abenteuerurlaub erst losgehen. Denn für Woche 2 haben wir eine mehrtägige Wanderung durch den Dovrefjell-Nationalpark geplant.

Dieser lockt uns mit seiner endlosen Weite und seine zotteligen Bewohnern – den berühmten Moschusochsen. Gut 200 Tiere leben derzeit im Nationalpark, Tendenz leicht steigend. Allerdings hat noch niemand von uns bisher eine derartige Wanderung, auf der man buchstäblich von dem leben muss, was der Rücken trägt, ausprobiert.

Mögliche Bedenken werden jedoch am Morgen unseres Aufbruchs auf jeden Fall durch den prächtigen Sonnenschein erst einmal zur Seite gewischt. Da Mattis Eltern nach uns in der Hütte wohnen, brauchen wir diese nicht allzu sehr verrammeln und kommen früh los.

Dies erlaubt uns, noch einen kurzen Halt an einem tosenden Fluss einzulegen, zu dem uns Matti ein paar Anekdoten aus zweiter oder dritter Hand erzählt. Deutsche Soldaten sollen sich hier in Holzfässern die Stromschnellen hinabgestürzt haben, um ihren Mut zu beweisen und die Langeweile im besiegten Norwegen zu vertreiben, und einige mit dem Leben bezahlten. Nazis in Norwegen, über dieses Kapitel des Zweiten Weltkriegs lernt man eigentlich nie etwas, daher nehme ich mir vor, mich diesem Thema daheim literarisch etwas anzunähern.

Nachdem wir beschlossen haben, keines der von dem kleinen Laden angebotenen Rentierfälle für die anstehende Wanderung zu erstehen, setzen wir unsere Fahrt gen Norden fort. Mit jedem Kilometer wird dabei das Wetter trüber, bis schließlich schwerer Regen einsetzt und mich beim Blick auf die Wettervorhersage für die kommende Woche so langsam das Gefühl beschleicht, dass wir uns ein wenig verspekuliert haben könnten.

Bevor wir die zivilisierte Welt gänzlich hinter uns lassen, senden wir noch einige Postkarten Richtung Heimat. Dann stellen wir die A-Klasse auf einem verlassenen Parkplatz in der Pampa ab, streifen unsere Regencapes über und marschieren los. Vorbei an der Wanderherberge und der Militärbasis und rein in den Dovre.

Diese erste Tagesetappe soll nur rund eine Stunde dauern, dann planen wir an dem Rentierpavillon zu sein, wo wir uns aufwärmen und unser Lager für die Nacht vorbereiten können. Die Stimmung sinkt allerdings mit jeder weiteren Minute, die wir durch den unerbittlichen, norwegischen Regen laufen. Auf fünf Tage Dauerregen sind wir schlichtweg nicht vorbereitet.

Völlig durchnässt erreichen wir den Pavillon, schmeißen unsere Sachen zum trocknen vor den Kamin und gesellen uns zu den anderen frierenden Wanderern auf die hübsch konstruierten Sitz- und Liegeflächen. Nach einer Weile sind nur noch wir drei in dem gemütlichen Pavillon. Wir spielen Skat und bereden, ob und wie wir die Wanderung fortsetzen können.

Letztendlich entscheiden wir, dass es keinen Sinn oder Spaß macht, unter diesen Voraussetzungen durch den Park zu stiefeln und dass es wohl besser ist, wenn wir den Rückzug antreten.

So genießen wir noch einen kurzen Moment, in dem der Regen sich eine Pause gönnt und die Sonne die neblige Suppe vor unserer Fensterfront in ein gleißendes rosarotes Licht taucht. Anschließend setzen wir zum Rückzug an, da übernachten im Pavillon nicht gestattet ist und die Umgebung nicht sehr einladend ist. Somit ist der zweite Teil unseres Urlaubs leider ins Wasser gefallen. Ganz vorbei ist er aber trotzdem noch nicht ganz.